· 

DIY Schneiderpuppe aus Styropor

Nachdem mein erster Versuch einer selbstgemachten Schneiderpuppe aus Klebeband und Wattefüllung nicht brauchbar war, wollte ich mich noch mal an eine neue Büste wagen. Diesmal sollte sie aus einem Styropor Torso bestehen, den ich auf meine Maße individuell anpasste. Den passenden Bezug habe ich selber konstruiert und genäht. Das Ergebnis, was mich sehr überzeugt hat und meine Vorangehensweise inklusive Tipps und Tricks, zeige ich dir in diesem Blogartikel.

Der Basis Torso

Wie schon angedeutet, war ich mit meiner ersten DIY Büste nicht zufrieden. Das lag daran, dass die Stecknadeln immer voll Kleber waren und die Puppe durch die leichte Füllung und den unebenen Boden andauernd umkippte, sobald ich etwas drapieren wollte.

Also musste eine neue her. Diesmal habe ich mich für einen Styropor Torso mit angeschnittenen Beinen als Basis entschieden. Dass die Puppe Beinansätze hat, war mir sehr wichtig, da ich meine genähten Slips darauf präsentieren möchte und "Tragefotos" damit machen möchte. Wenn du hauptsächliche Oberbekleidung oder Röcke nähst, reicht auch ein Torso ohne Beine.

Maß nehmen

Damit die Büste auch "maßgeschneidert" ist, habe ich mich zu erst einmal komplett vermessen (In diesem Blogartikel zeige ich dir, wie du die wichtigsten Maße nehmen kannst). Anschließend wurde die Puppe vermessen und die Werte miteinander verglichen.

 

Ich wusste also nun genau, wo ich an der Puppe Material wegnehmen muss und wo ich aufpolstern muss. Zum Glück kam der Styropor-Torso schon sehr nah an meine Figur ran. Ich habe schließlich den Rücken für den Unterbrustumfang etwas zurück geschnitten, das Brustvolumen verkleinert, die Taille, den Bauch und das Gesäß aufgepolstert und die Fettpölsterchen der Achseln etwas nachgebildet. Das klingt jetzt vielleicht doch etwas viel, aber da es jeweils nur wenige Zentimeter waren, ließ sich das insgesamt einfach anpassen.

Material mit dem Cuttermesser wegschneiden

Als erstes habe ich den Unterbrustumfang vom Styropor Torso reduziert. Da das Maß von Achsel zu Achsel für mich richtig war, wusste ich, dass der Rücken zu ausladend war. Also habe ich begonnen diesen abzuflachen. Dazu habe ich ein Cuttermesser benutzt und Stück für Stück Styorpor abgeschnitten. Dabei habe ich darauf geachtet, dass ich symmetrisch arbeite, also die linke und rechte Körperhälfte gleichmäßig bearbeite und NICHT erst eine Seite komplett fertig mache und dann die andere anpasse. Eine Bleistiftlinie am Rücken auf Höhe des Unterbrustumfangs gab mir zusätzlich Orientierung. Weil der Unterbrustumfang nach der Bearbeitung des Rückens immer noch etwas groß war, habe ich zusätzlich seitlich neben der Brust noch Styropor weggeschnitten.

 

Ich habe mich für das Cuttermesser entschieden, weil es eine lange Klinge hat und scharfkantig abschneidet. Mit einer Feile o.ä. reißt man schnell die einzelnen Styroporkugeln raus und das Ergebnis wird sehr uneben!

Für die Brust habe ich genau gemessen, wie die untere Cuphöhe (Maß von Unterbrust hoch zur Brustwarze entlang der Brust) ist und wie breit die Brust vorne und seitlich ist. Also das Maß vom vorderen Brustansatz (dazu kann die Brust leicht zur Körpermitte gedrückt werden) bis Brustwarze und von Brustwarze bis seitlichem Brustansatz (dazu wird die Brust etwas in Richtung Achsel geschoben). Dadurch wusste ich wie viel cm an der Puppe zu viel sind und habe an den entsprechenden Stellen Material weggenommen. Natürlich habe ich mich auch an meiner eigenen Brustform orientiert.

 

Sollte zu wenig Brust vorhanden sein, kann man die Brüste aus Vlies aufpolstern oder Brustkissen aus dehnbarem, feinen Stoff (z.B. dehnbarer Tüll) nähen und diese mit Hirsespelz füllen.

 

Nach dem Wegschneiden habe ich das Styropor stellenweise noch mit einem feinen Schleifpapier glatt gearbeitet.

Aufpolstern der Schneiderpuppe

Am besten eignet sich die Aufpolsterung mit Schulterpolstern, da sie einen gleichmäßigen Übergang formen. Da ich allerdings nur noch  Schulterpolster zu Hause hatte, habe ich den Rest mit verschiedenen Vliesen aufgepolstert. Das hat auch ganz gut geklappt.

Die Schulterpolster habe ich zur Verstärkung vom Bauch genutzt. Dazu habe ich die Polster entlang der Schulternaht auseinander geschnitten und jeweils die großen und kleinen Teile mit einem Zick-Zack-Stich (Kante an Kante) zusammen genäht.

 

Die neuen Schulterpolster, sowie alle weiteren Vliese habe ich mit Stecknadeln an die Büste gepinnt. Dadurch, dass kein Kleber verwendet wird, verkleben die Nadeln, die man später beim Drapieren nutzt, auch nicht. Zu erst dachte ich, dass Stecknadeln ohne Kopf am besten sind, da sie weniger durchdrücken, aber leider haben sie das Vlies nicht gegriffen, sodass es nicht gehalten hat. Also bin ich auf Stecknadeln mit Kopf umgestiegen.

 

Für die Festpölsterchen habe ich kleine Nierenförmige Polster aus einer Lage Vlies zugeschnitten.

Für die Taille habe ich einen Streifen Vlies zuschnitten. Für einen besseren Übergang habe ich das Hohlkreuz noch mit einem Dreieck aufgepolstert.

 

Das Gesäß habe ich mit Ovalen aus Volumenvlies aufgepolstert. Da dort mehr Volumen nötig war, habe ich jeweils noch 2 kleinere Ovale drunter gelegt. Beim Nähen vom Bezug hat sich herausgestellt, dass die Ovale unbedingt bis zur Gesäßfalte reichen müssen, da der Übergang sonst unschön wird (ähnlich wie bei einer Brust in zu kleinem Cup).

Bezug Schnittmuster konstruieren

Das Schnittmuster für den Stoffbezug habe ich selber konstruiert. Dazu habe ich die Quermaße um 10% reduziert und die Längenmaße um 5%. Wie sich später herausstellte, hätte ich besser auf die Längsreduzierung verzichtet, da der Stoff sich nicht in diese Richtung dehnen ließ (Ich hatte den Stoff noch nicht zu Hause, als ich den Schnitt konstruierte).

 

Für die Konstruktion habe ich einen Oberkörpergrundschnitt mit Taillierung erstellt. Ab der Taille habe ich dann nach Augenmaß und mit ein paar festen Maßen (Oberschenkelumfang oben und unten, Schrittlänge, Gesäßumfang) eine Hose angezeichnet. Die Abnäher der Hose habe ich weggelassen und das Bundmaß habe ich an das Oberteil angepasst. Dazu wurden die Abnäher vom Oberteil abgezogen. Die Abnäher im Oberteil wurden zu Teilungsnähten vorne und hinten, um auch einen schön enganliegenden Bezug zu garantieren. Die Ärmel fielen weg und für die Beine habe ich den Torso aufs Papier gestellt und die Beine umzeichnet.

 

Dadurch, dass mir der Bezug zu klein wurde, hat es am Halsloch hinten und vorne nicht gepasst und die Taille ist in Richtung Hüfte gewandert. Nun gut, so ist das eben beim ersten Versuch. Dadurch habe ich den Halsring oben eingekräuselt und den Bezug am Hals nach Gefühl angepasst. Inzwischen gefällt mir die gekräuselte Stelle sogar ziemlich gut!

Bezug nähen

Die Stoffwahl war leider nicht die richtige, sodass ich ständig gegen herumfliegende, an allem klebende Fussel gekämpft habe.

Der nächste Bezug wird definitv nicht mehr aus Pannesamt, sondern aus (Viskose-)Jersey genäht.

 

Die Nähte habe ich alle mit der Overlock geschlossen. Eigentlich sollte noch ein Reißverschluss ein, aber da die Farbe nicht passte, habe ich den Rücken von Hand zugenäht.

Fazit

Ich find meine neue, maßgeformte Büste richtig klasse! Endlich kann ich ihr meine Sachen anziehen, ohne dass es spannt oder der Verschluss nicht zugeht. Zusätzlicher Bonus sind natürlich die Beine, sodass ich Slips anprobieren kann.

 

Das Wegschneiden und Aufpolstern würde ich generell immer wieder so machen, wobei ich Schulterpolster für das Gesäß bevorzugen würde.

 

Ich mag es, dass der Bezug individuell ist und wusste bevor ich anfing nicht, dass es auch welche fertig mit Beinen zu kaufen gibt. Für diejenigen die am ausprobieren nicht so viel Spaß haben, würde ich diesen auch empfehlen! Der Bezug hat mich schließlich am meisten Arbeit gekostet. Da der Stoff immer noch fusselt, egal wie oft ich ihn abroller, überlege ich schon mir einen neuen aus Jersey zu nähen und gleichzeitig die Taille und ggf. den Halsring noch mal anzupassen.

 

Viel Spaß beim Nachbasteln!

Kommentar schreiben

Kommentare: 0