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3 Methoden zur BH Schnittmuster Konstruktion im Vergleich

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Nachdem ich verschiedene Bücher zum Thema Unterwäsche nähen rezensiert habe, möchte ich noch einmal auf den Kern der einzelnen Bücher eingehen: Die verschiedenen Konstruktionssysteme. Wie sind sie aufgebaut? Welche Maße benötige ich dafür? Wie ist der Schwierigkeitsgrad? Wie ist die endgültige Passform? Diese Fragen beantworte ich dir innerhalb eines großen Vergleichs.

 

Was sind Schnittmusterkonstruktionen?

Seit ich mit dem Dessous nähen angefangen habe, bin ich auf der Suche nach DER Konstruktionsmethode, um einfach und vor allen Dingen auf Anhieb passende Unterwäsche Schnittmuster zu erstellen. Die Konstruktion ist quasi die Basis eines Schnittmusters. Bevor es ans Zuschneiden des Stoffs geht, braucht man ein Schnittmuster und bevor man ein fertiges Schnittmuster inklusive Nahtzugaben und allerlei Hinweisen in der Hand hält, hat sich vorher jemand viel Mühe gemacht. Vor dem Schnittmuster steht nämlich die Schnittkonstruktion. Mit Hilfe von Anweisungen und Körpermaßen wird ein „Basisgerüst“ aufs Papier gezeichnet. Mit diesem "Basisgerüst" lassen sich dann Abnäher verteilen, Rundungen einzeichnen und dementsprechend eine bestimmte Form des später fertigen Kleidungsstücks kreieren. Ein Schnittmuster entsteht. Und genau das Prinzip gilt auch für BH Schnittmuster.

 

Mein Weg zum Maß-BH

Ich bin ein wenig rebellisch und weiche von dem Prinzip der Schnittkonstruktion inzwischen für meine maßgeschneiderten BHs ab. Stattdessen nehme ich einen genähten Probecup zur Hand und passe ihn auf die Frau direkt am Körper an. Das mache ich deshalb so, da mich bisher noch kein Konstruktionssystem von Grund auf begeistert hat. Am liebsten würde ich aber mehr mit Körpermaßen arbeiten, um eventuell schneller zum gewünschten Ergebnis zu kommen. Denn weniger Probe-BHs bedeutet weniger Zeitaufwand, weniger Müllproduktion, weniger notwendige Treffen und erschwinglichere Preise und dadurch mehr Frauen, die ich glücklich machen kann.

 

3 Bücher zur BH Schnittkonstruktion

Deshalb habe ich mich noch einmal intensiv mit 4 Konstruktionssystemen auseinander gesetzt und ein Fazit gezogen. Eins davon war für mich leider so kompliziert zu verstehen (affiliate link: bare essentials von J. L. Matthews-Fairbanks), dass ich nur die 3 anderen manuell umgesetzt habe und hier vorstelle. Die 3 weiteren Methoden sind: CONTEC (von der Hochschule Niederrhein), Beverly Johnson und Kristina Shin (affiliate link: patternmaking for underwear design). Konstruiert habe ich die Größe 80D und verglichen habe ich die Ergebnisse aller Konstruktionsmethoden mit einem sehr gut passenden, maßgeschneiderten BH.

 

BH Schnittmuster konstruieren - Die CONTEC Methode

Das Konstruktionssystem CONTEC ist so aufgebaut, dass mit Hilfe von eigens genommenen Körpermaßen und Hilfsmaßen aus einer Tabelle das Schnittmuster konstruiert wird. Damit man sich in dem ganzen Zahlenchaos noch zurecht findet, gibt es ein zusätzliches Formblatt, indem alle nötigen Maße für eine Person eingetragen werden (siehe Abbildung).

Zusätzlich gibt es eine Konstruktions-Anleitung, die Schritt für Schritt vorgibt in welche Richtung oder um welchen Winkel ein bestimmter Wert abgetragen werden soll. Die einzelnen Schritte sind jeweils nur kurz und knapp erklärt. Die erste Konstruktion nach dem System bedarf einiger Nerven, aber wenn man es einmal raus hat, geht es doch recht schnell.

Das System zeichnet sich dadurch aus, dass viele Maße nötig sind, was ja eigentlich ein Hinweis darauf wäre, dass es auch sehr genau ist und der spätere BH gut sitzt. Das ist allerdings nicht der Fall. Der Cup ist oft zu spitz und im Vergleich zu meinem Maß-BH auch zu groß und unter den Armen sehr gerade/ unförmig. Wäre ich vollends zufrieden mit dem Konstruktionssystem meiner Hochschule gewesen, hätte ich mich nicht nach anderen Methoden umgeschaut. Also leider bedarf es hier vieler Anproben bis das gewünschte Ergebnis da ist.

BH Schnittmuster konstruieren - Die Beverly Johnson Methode

Die Konstruktionsmethode von Beverly Johnson, die sie in ihrem 2. Buch "the bra makers manual volume 2" oder auch "Das BH-Buch 2" vorstellt, basiert hauptsächlich auf einem BH-Bügel. Von diesem Bügel wird mit Hilfe eines Schemas, auf das man den Bügel legen soll, die Bügellänge und ein gewisser Überstand abgelesen. Das war für mich etwas irritierend, weil man die Bügellänge auch mit einem Maßband abmessen kann. Das habe ich dann auch einfach gemacht. Bevor es mit der Konstruktion losgeht, werden ein paar Basis-Körpermaße benötigt, die man an sich selbst nehmen soll. Diese sind:

  • Unterbrustumfang
  • Brustumfang
  • Stegbreite (entweder ausmessen oder einer Richtwert-Tabelle entnehmen)
  • Horizontale Körbchenlänge
  • Untere Körbchentiefe
  • Obere Brustwölbung
  • Brustspitzenabstand

Die folgende Konstruktionsanleitung ist detailliert und dennoch einfach gestaltet, sodass sie wirklich auch für Anfänger geeignet ist. Sie beinhaltet für jeden Schritt eine Illustration, sodass man genau sehen kann, worauf man hinarbeitet und was zu tun ist. Es wird so vorgegangen, dass der Bügel auf das Papier gelegt wird und dann umzeichnet wird. Ein Spreizbetrag und "Bügelspiel" werden noch zugefügt und dann zeichnet man das Mittelstück und das Unterbrustband mit Hilfe der Maße drum herum. Ein Teil des Unterbrustbandes wird dann abgepaust und mit Dehnungsabzug kleiner noch einmal gezeichnet.

 

Der Untercup und Obercup werden mit Hilfe der "Unteren Körbchentiefe" und "Horizontalen Körbchenlänge" als Rechteck gezeichnet. In das Rechteck werden dann Bögen mit Hilfe der Bügellänge eingezeichnet um die Cupform zu bilden. Das geschieht aber trotz Werten sehr ungenau. Die Länge stimmt zwar, aber die Form ist super beliebig. Dann wird der Obercup konstruiert. Dabei stört mich, dass die obere Ausschnittkante auf dem Körpermaß der oberen Brustwölbung basiert. Dieses Maß finde ich wiederum super ungenau am Körper zu nehmen. Schließlich werden die Schnittteile zusammengelegt und ausgerundet. Das Ausrunden geschieht auch vollkommen intuitiv. Hauptsache ein schöner Bogen, Maße scheinen auf einmal keine Rolle mehr zu spielen.

Ergebnis ist ein Cup, der sehr breit ist, dafür aber zumindest schonmal die richtige Körbchentiefe im Untercup aufweist. Der Obercup ist auch sehr hoch und komisch geschnitten. Das müsste man auf jeden Fall noch einmal in einer Anprobe anpassen. Insgesamt finde ich die Methode OK, weil sie einfach ist, auf dem wesentlichen basiert und dadurch eine gute Basis schafft. Allerdings ist es auch alles sehr nach Bauchgefühl, was mich in einer Schnittkonstruktion nicht glücklich macht. Da will ich alles so genau wie möglich. Bauchgefühl kann man in der Schnittgestaltung immer noch ausleben. Ich glaube mit einem Fertig-Schnitt von Beverly Johnson oder einer anderen Firma wird man glücklicher, als alles zu konstruieren und dann ein genauso mäßiges Ergebnis zu erzielen.

BH Schnittmuster konstruieren - Die Kristina Shin Methode

Die Methode nach Kristina Shin, wie sie in ihrem Buch patternmaking for underwear design beschrieben wird, unterscheidet sich noch einmal stark von den anderen Methoden. Die Rahmen-/ Unterbrustband-Konstruktion basiert ebenfalls auf einem Bügel, welcher umzeichnet wird und unterscheidet sich nicht großartig, dafür aber der Cup. Dazu werden folgende Maße benötigt:

  • Brustumfang
  • Unterbrustumfang
  • bust height (entspricht der unteren Körbchenlänge)
  • outer bust arc (diagonale Strecke vom Brustpunkt zum seitlichen Brustansatz)
  • inner bust arc (diagonale Strecke vom Brustpunkt zum vorderen Brustansatz)

Die Maße "inner bust arc" und "outer bust arc" könnte man vielleicht selber nehmen, sie sind aber auch in einer Tabelle aufgezeigt. Ich habe mich mal nach der angegeben Skizze vermessen und fand es sehr ungenau. Deshalb würde ich mich hier nach der Tabelle richten. Diese ist allerdings nur auf wenige BH-Größen ausgelegt. Die 2 Maße "inner and outer bust arc" basieren auf der BH-Größe und der unteren Körbchenlänge. Das heißt, man sollte dazu seinen Brustumfang und Unterrbustumfang kennen.

Die Konstruktionsanleitung ist super einfach. Es wird allerdings nicht so ausführlich beschrieben wie bei Beverly Johnson, sondern eher mit Abkürzungen gearbeitet. Ich habe es aber gut verstanden. Die tollen Illustrationen helfen einem auch sehr dabei.

 

Der Untercup wird hier nicht als Rechteck, sondern als Raute konstruiert. Darauf basierend werden Punkte festgelegt, die einem dabei helfen aus der Raute einen kurvigen Untercup zu zeichnen (ähnlich wie bei einer Ärmel-Konstruktion). Was ich sehr gut finde ist, dass der Untercup auch direkt gesplittet wird. Der Obercup wird ebenso einfach konstruiert und ist automatisch sehr flach. Anschließend wird noch einmal alles abgeglichen und die Längen und Kurven aufeinander abgestimmt. Das hat mir bei Beverly Johnson sehr gefehlt!

Der Cup ist der Erste, der mir von seiner Grundform her sehr gut gefällt. Es sieht nach einem richtigen BH-Cup aus. Im Vergleich zum Maß-BH ist dieser aber sehr viel schmäler und insgesamt deutlich kleiner. Die Ausschnittkanten gefallen mir sehr gut und auch die untere Körbchentiefe ist automatisch korrekt.

Was mir absolut nicht an der Konstruktionsmethode gefällt ist die Tabelle mit den Körpermaßen. Diese umfasst viel zu wenige Größen. Das heißt, dass man diese erweitern müsste, sobald man keine Standard-Größe hat oder eine Basis-Größe konstruieren müsste, die man dann größer gradiert.

Fazit

Leider habe ich unter all den Konstruktionsmethoden immer noch keine gefunden, bei der ich sicher gehen kann, dass der BH auf Anhieb gut passt und ich ihn guten gewissens als Vorlage für weitere kleinere Anproben nehmen kann.

Von der Arbeitsweise finde ich die Cup-Konstruktion nach Kristina Shin am einfachsten und effektivsten. Wobei ich sagen muss, dass ein zu großer Cup wie bei Beverly Johnson besser zu gebrauchen ist, als ein zu kleiner Cup. Würde ich für mich selbst konstruieren, würde ich vermutlich den Kristina Shin Cup noch einmal in einer größeren Größe konstruieren oder nach ihrer vorgestellten Methode gradieren und anhalten. Denn die Grundform ist wirklich toll! Ansonsten würde ich wohl eher auf fertige Schnittmuster zurückgreifen, als mich an die Konstruktion zu wagen, denn Anpassungen müssen so oder so gemacht werden und sind vermutlich auch noch einfacher zu machen an einem BH, dessen Schnittmuster schon mehrfach geprüft wurde.

Wer sich aber grundsätzlich für Schnittkonstruktion interessiert und alles am liebsten von Grund auf selber macht, der ist mit beiden Büchern (Beverly Johnson & Kristina Shin) nicht schlecht bedient und wird vom Prozess nicht gefrustet sein und ein zufriedenstellendes Ergebnis erzielen.

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